Die Universität und ihr Siegel
Im Jahre 1221 kritisiert Papst Honorius III. in einem Schreiben an die französischen Bischöfe, daß die Pariser Magister und Scholaren nicht nur beeidete Satzungen beschlössen - nein, sie bedienten sich auch noch eines "jüngst" angefertigten Siegels! Einhundertsiebzig Jahre später, 1392, ist es kein Skandalon mehr, daß die Universität Köln ein Siegel führt.
Die vier Jahre zuvor mit Privileg Urbans VI. gegründete Hochschule gibt sich in diesem Jahr ihre Statuten und beglaubigt die Urkunde mit einem Siegel, das bis heute einzigartig dasteht: Es zeigt die Stadtpatrone und das städtische Wappen!
Siegel und "Name" der Universität
Das große Siegel der Universität, seit 1392 bezeugt, wurde bis zum Ende der Hochschule 1798 benutzt - freilich sehr selten: Für alltägliche Geschäfte, etwa die Besiegelung eines Studientestats, verfügten die Rektoren über ein Geschäftssiegel ("sigillum ad causas"), das den Hl. Petrus mit Papstkrone und Buch zeigt. Als Richter erster Instanz benutzten sie das spitzovale "Jursidiktionssiegel", das auch die Rektoren der neuen Universität bis 2005 führten.
Der Geschichte des Universitätsiegels und der Rektorats- und Fakultätssiegel hat sich der langjährige Universittäsrichter Hubert Graven gewidmet.
Oft wird im Archiv nach dem Grund für das "zu" im Namen der Hochschule gefragt: Nach den Grundordnungen - man änderte 1990 die Bezeichnung, um die Nachfolgerin der bis 1968 vom Ministerium verliehenen "Satzung" deutlich gegen diese abzusetzen - lautet der Name unserer Hochschule
"Universität zu Köln".
Diese Bezeichnung geht auf den ersten Nachkriegsrektor, den Altphilologen Joseph Kroll zurück, der während seines ersten Rektorates 1930/31 in einem Brief an den Juristen Fritz Stier-Somlo vom 11.4.1931 darauf hinwies, daß die Bezeichnung "Universität Köln" eine Abkürzung darstelle, denn:
„Köln ist Eigenname der Stadt, und nie und nimmer kann man eine in dieser Stadt gelegene Universität mit dem Eigennnamen der Stadt belegen. ... Mit der Bezeichnung ‚Universität zu Köln' ... habe ich nichts gewollt als mein philologisches Gewissen zu salvieren.“
Die Vorlesungsverzeichnisse bis zum WS 1944/45 führen als Namen "Universität Köln". In seiner zweiten, von 1944 bis 1949 dauernden Amtszeit gelang es Kroll, die heute übliche Bezeichnung zu institutionalisieren. Sie erscheint seitdem auf allen amtlichen Veröffentlichungen und geht in ihrem Kern zurück auf die Umschrift des Universitätssiegels:
“s[igillum]. universitatis studii s[an]c[t]e civitatis Coloniensis”
Das heißt auf Deutsch: "Siegel der hohen Schule der heiligen Bürgerschaft Kölns" - Mangel an Selbstbewußtsein kann man aus dieser Umschrift der Stadtgemeinde nicht gerade unterstellen. Wenngleich seit 1946 das "zu" quasi universitätsamtlich ist, adressiert das nordrhein-westfälische Wissenschaftsminsterium seine Erlasse konsequent bis in die Gegenwart an die “Universität Köln”. und das, obwohl die 1919 verliehene Satzung von der "Universität zu Cöln a. Rh." spricht.
Noch älter ist sogar Richenthals Bezeichnung als "hohe schul czu Cöln am Rein" in der Konstanzer Konzilsschronik ...
Die Städtische Handelshochschule (1901) und nach der Eröffnung im Juni 1919 auch die neue Universität verwendeten das große Kölner Stadtwappen mit dem Doppeladler in ihren Siegeln - das leistete der irrtümlichen Ansicht Vorschub, Köln sei eine „städtische“ Universität. Die Geschichte ist leider prosaischer: die Landesuniversität Köln konnte 1919 noch auf kein staatliches Symbol zurückgreifen, da Preußen sich erst 1923 ein neues Wappen gab.
Es war zuerst die Studentenschaft, die das Dreikönigensiegel als Symbol der Universität im Kopf der "Kölner Universitäts-Zeitung" verwendete; daraufhin zog die Hochschule 1920 nach und verwendet seitdem auch das mittelalterliche Siegel.
Im Rahmen der zahlreichen Ernnennungen von Ehrenbürgern und Ehrensenatoren schaffte sich die Universität um 1926 auch ein Prägesiegel an. Dieses befindet sich heute ebenfalls im Archiv.