"Plenus venter non studet libenter": Essen & Trinken
Die Bursen: Wohnung, Verpflegung - und Lehre
Die Kölner Universität zeichnete sich seit dem 15. Jahrhundert durch eine große Zahl von Bursen aus, die von den Magistern betrieben wurden. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bildeten die drei Hauptbursen - Laurentiana, Montana und Tricoronatum dann die Artistenfakultät.
Für Köln gehört das Bursenwesen aber nicht nur in den Bereich der Sozialgeschichte, sondern auch maßgeblich in die Verfassungsgeschichte. Die frühen Bursen bldeten in den freien Zusammenschlüsse von Magistern und Scholaren wiwe andernorts die Halls, Hospizien oder Kollegien ein Moment organisatorischer Verfestigung. Dabei ist in Köln allerdings die Burse als Wirtschaftsunternehmen der lehrenden Magister typischer als etwa die auf den Stiftungen Dwerg und Voirburg beruhende Kronenburse der Juristenfakultät.Über die personale Schiene der sie leitenden Magister wuchsen die Bursen in die Hochschule hinein, so daß 1577 die neuen Statuten der Artistenfakultät die Prinzipalbursen Montana, Laurentiana und die als Tricoronatum von der Stadt und dann von den Jesuiten weitergeführte Bursa Kuyck als konstitutive membra facultatis festschrieben.
Im 15. Jahrhrundert gab es neben den drei Prinziplabursen noch mehrere kleine Bursen mehr, die aber teirlweise aufgrund des wirtschaftlichen Mißerfolgs der sie führenden Universitätslehrer früher oder später eingingen. Man stelle sich heute Professoren in der Rolle als Geschäftsführer oder Eigentümer von Studentenheimen mit Vollverpflegung vor! Die wirtschaftliche Konkurrenz, bei der sich die Großen letztlich gegen die Kleinen durchzusetzen verstanden, führte im Jahre 1473 dazu, daß der Kölner Magister Nikolaus Mommersloch seine Burse schloß und seine Kostgänger der neugegründeten Trierer Universität zuführte!
Im 15. Jahrhrundert gab es neben den drei Prinziplabursen noch mehrere kleine Bursen mehr, die aber teirlweise aufgrund des wirtschaftlichen Mißerfolgs der sie führenden Universitätslehrer früher oder später eingingen. Man stelle sich heute Professoren in der Rolle als Geschäftsführer oder Eigentümer von Studentenheimen mit Vollverpflegung vor! Die wirtschaftliche Konkurrenz, bei der sich die Großen letztlich gegen die Kleinen durchzusetzen verstanden, führte im Jahre 1473 dazu, daß der Kölner Magister Nikolaus Mommersloch seine Burse schloß und seine Kostgänger der neugegründeten Trierer Universität zuführte!
Freud und Leid der "Wohnheimsverwaltung"
E-Raum und Mensa
Im 18. und 19. Jahrhrundert wurden Studenten als Kostgänger bei Bekannten und Geschäftsfreunden des Vaters untergebracht, mieteten sich privat "mit Kost und Logis" ein oder gingen in Gasthäusern essen. Eine Mensa in heutigem Sinn gab es erst im 19. Jahrhundert.
In den Anfangsjahren der Universität, die druch die bittere Not der eit dem Ersten Weltkrieg gekennzeichnet war, übernahm die Ordensfrau Schwester Ignatia (Gräfin Spee) die Verpflegung von Studierenden. Erst 1924 richtete die Universität einen Erfrischungsraum als "GOA" (Gaststätte ohne Alkohol) neben dem Universittäsgebäude in der Claudiusstraße ein.
Den "E-Raum" - heute auch so ausgeschildert - gab es seit 1934 auch im Neubau am Langemarck- (heute: Albertus-Magnus-) Platz. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben durch das Kölner Studentenwerk, kann man sich dort zwischen zwei Veranstaltungen mit warmen und kalten Speisen und Getränken stärken oder in Kleingruppen lernen und klönen ...
Nach dem Kriegs wurde der Raumauf das doppelte vergrößert, aber der starke Anstieg der Studierendenzahlen machte 1953 den Bau der "Alten Mensa" an der Ecke Universitäts-/Wilhelm-Waldeyer-Straße notwendig. Dieser wurde wiederum zu eng und 1975 durch die heutige Hauptmensa neben dem Universitätssportgelände an der Zülpicher Straße ersetzt. Wie es nach deren Großsanierung 2011/12 in Zukunft weitergeht, bleibe hier offen ...
Selbstverpflegung und Studentenspeisung: Die Nachkriegszeit
Der Mediziner Helmut Jansen erinnert sich an die Verpflegungssituation in der Nachkriegszeit:
"Das heimatliche '"Fassen der Verpflegung' war in Anbetracht der schlechten Lebensmittelversorgung der Bevölkerung notwendig. Man mußte sich zusätzlich versorgen, um leben zu können. Gegen Vorlage des Studentenausweises gab es gelegentlich einen Streifen Speck aus einer Spende. Oberhalb von Nosbachs [Jansens Vermietern] wurde auf dem Balkon ein Huhn gehalten, obwohl das verboten war. Man hörte an dem freudigen Gackern, wann das 'Balkonhuhn' täglich ein Ei gelegt hatte.
Mein Kommilitone Leo Brecklinghaus löste das Essenproblem so: sein Vater war Steiger in Essen und besaß ein Rübenfeld. Leo destillierte über das Wochenende eine Flasche mit Rübenschnaps, die er in Köln gegen Lebensmittel tauschte. Er hatte immer mit Wurst belegte Brote. Das Essen in der Mensa war miserabel und wurde in Steingutnäpfen ausgegeben. Einmal waren Steinchen in der Suppe.
Einen für die damaligen Verhältnisse guten Mittagstisch fanden wir im Souterrain eines Hauses am Rathenau-Platz bei Nonnen, die wir zärtlich "Nönnchen" nannten. Hier aßen wir an gedeckten Tischen in einer angenehmen Atmosphäre." (UA Köln, Zug. 488-1)
Beliebt war auch das Essen bei "Oma Kleinmann" in der Zülpicher Straße, wo es preiswerten Mittagstisch für 1,40 Mark gab. "Weil ich so viel für die Jungs getan habe, haben sie mich ja auch immer die 'Studentenmutter' genannt. Dreimal täglich habe ich neue Schnittchen geschmiert. [...] Um Mitternacht, auch das war überall bekannt, gab es alle Schnittchen, die übrig geblieben waren, umsonst. Da wurde es dann noch mal richtig voll in der Wirtschaft. Die Jungens hatten ja immer Hunger." (Helmut Frangenberg: Oma Kleinmann. Geschichte und Rezepte aus dem Kwartier Latäng. Köln 2007, S. 36 f.)